Letztes Wochenende konnten wir am Aufbaukurs unser Wissen rund ums Babytragen erweitern, Erfahrungen mit Gleichgesinnten austauschen und neue Tragehilfen kennen lernen!

Christian und ich besuchten am vergangenen Wochenende in Winterthur den Aufbaukurs der Trageschule Schweiz. Das ist der letzte Teil unserer Ausbildung zu Trageberatern – abgesehen von der Zertifikatsprüfung.
Das Wochenende war anstrengend, da wir sehr viel Neues dazu lernten. Und ausserdem beanspruchte unser Sohn Philipp immer wieder unsere Aufmerksamkeit! Zum Glück waren wir als Familie da, so hat mindestens einer von uns allen das wesentliche mitgekriegt und kann es dem anderen Part weitergeben.

Vertiefen der theoretischen Grundlagen und Erweitern der Bindeweisen

Letzten August haben wir im Grundkurs der Trageschule Schweiz die wichtigsten Bindeweisen und Tragehilfen für den Beratungsalltag, die anatomischen und physiologischen Eigenheiten von Babys sowie die Grundlagen der Evolutions- und Bindungslehre kennen gelernt. Im Aufbaukurs werden die bekannten Bindeweisen vertieft und durch zusätzliche Bindemöglichkeiten erweitert. Diese neuen Binde- bzw. Trageweisen sind:

  • Die Trageweise »Hüftkänguru« welche ab Geburt angewendet werden kann. Das ist eine bequeme Alternative zum Ring-Sling.
  • Die »Hüftschlinge« kommt bei grösseren Kindern, welche weniger Stütze des Oberkörpers benötigen, zum Einsatz.
  • Der »Double Hammock« ist eine weitverbreitete Trageweise für etwas grössere Kinder. Das Gewicht des Kindes wird dabei angenehm auf den Oberkörper des Trägers verteilt.
  • Zudem erlernten wir die »Einschlafbindeweise«, welche angewendet werden kann, wenn Baby (und Mama!) kurz vor dem Einschlafen sind: Sie kann sitzend oder stehend gebunden werden, dient aber nicht als Tragevariante, da das Baby noch etwas mit den Armen gestützt werden muss – sichert aber das Baby, wenn Mama auf dem Sessel eingeschlafen ist!
  • Ausserdem haben wir eine tolle Möglichkeit kennen gelernt, wie zwei Kleinkinder gleichzeitig getragen werden können. Das eine Kind wird in einer Tragehilfe oder dem »Einfachen Rucksack« auf dem Rücken getragen und das andere Baby wird mit dem Ring-Sling an den Schulterträgern festgemacht. Das ist eine bequeme und praktische Art Zwillinge oder zwei Kinder verschiedenen Alters zu tragen.

Ausprobieren von Tragetüchern und Tragehilfen

Am Wochenende haben wir die Gelegenheit genutzt, das grosse Sortiment an Tragehilfen der Trageschule Schweiz intensiv durchzutesten. So konnten wir neue Tragehilfen kennen lernen und ausprobieren. Darunter sind einige, die unser Vorführ-Sortiment erweitern werden – so haben wir für die verschiedenen Anforderungen und Anwendungsmöglichkeiten von euch etwas passendes und bequemes bereit.

Tragen in besonderen Situationen

Nebst der grossen Erweiterung unseres Binde-Wissens erhielten wir dieses Wochenende auch einen Einblick in die Welt der Medizin und der verschiedensten Probleme, die rund um die Geburt, sowohl beim Kind wie bei der Mutter bzw. den Eltern, auftreten können.

  • Die Hüftdysplasie (Fehlstellung und Störung der Verknöcherung des Hüftgelenkes beim Neugeborenen) ist die häufigste orthopädische Störung bei Säuglingen. Auch wenn die Babys eine Hüftschiene tragen müssen, kann man sie in den meisten Fällen problemlos einbinden!
  • Das KISS-Syndrom (Kopfgelenk-Induzierte-Symmetrie-Störung, eine Blockade im obersten Wirbelbereich), die für den Säugling sehr unangenehm istkann
  • Ungefähr 15% der Frauen erkranken nach der Geburt an einer postpartalen Depression (Wochenbett-Depression). Leider wissen viele nicht, dass sie an einer behandelbaren Krankheit leiden.
  • Bei Frühgeborenen kann das Tragen das Känguruen sinnvoll ergänzen. Beim Känguruen wird das Frühchen auf den Oberkörper einer Bezugsperson gelegt und zugedeckt. Die Bezugsperson übernimmt dabei die Funktion des Inkubators, in dem Temperatur, Kreislauf und Atmung durch den Kontakt zur Bezugsperson reguliert wird.

Gerade bei Kindern mit dem KISS-Syndrom und bei Frühgeborenen gibt es einige Aspekte, die beim Einbinden zu beachten sind. Es gibt Bindeweisen die besser geeignet sind, aber auch solche, welche nicht empfohlen werden.

Im Bedarfsfall können wir auch Adressen von Fachpersonen und -stellen weitergeben. Wir stehen hier gerne als Vertrauensperson zur Verfügung und versuchen euch weiterzuhelfen.

Wir danken den Kursleitern der Trageschule Schweiz Nora Stahel, Jasmin Heierli und Bettina M. Kreissl Lonfat für die vielen spannenden Inputs und ihr grosses Engagement bei der Ausbildung der Trageberater.