Der Ring-Sling für Neu­geborene (Teil 2 der Serie)

Bei Neugeborenen hat der Ring-Sling grosse Vorteile: Er ist praktisch in der Anwendung, vermittelt dem Kind Sicherheit und Geborgenheit und stärkt die Eltern-Kind-Beziehung.

Unkomplizierter Einstieg ins Baby­tragen

Der Ring-Sling ist eine ideale Einstiegs­möglich­keit ins Tragen von Neu­geborenen, weil er so einfach anzuwenden ist. Das Tuch ist mit einer Länge von zirka zwei Metern gut in den Griff zu kriegen und das Baby wird schon vor dem Fest­ziehen vom Tuch stabi­lisiert, so dass man sich gut um die korrekte Posi­tionierung kümmern kann. Das Fest­ziehen durch die Ringe gestaltet sich einfach, falls man den Stoff gut sortiert hat und das Tuch schon etwas eingetragen ist. Und schliess­lich übernehmen die Ringe beim Straffen des freien Tuch­stranges das Halten des fest­gezogenen Tuches. So kann man sich gut auf die Stütze des Baby-Körpers während dem Ein­binden konzen­trieren. Neugeborene werden übrigens Bauch an Bauch getragen – für das Tragen auf der Hüfte ist ihr Körper noch zu instabil.

Perfekte Haltung für das Neu­geborene

Wir empfehlen, dass der Ring-Sling »gekippt« getragen wird. D.h. das Tuch wird über dem Rücken einmal umgeschlagen. So verläuft die Kopf­kante hori­zontal um den Körper des Babys und des Tragenden und gleich­zeitig bewirkt der steilere Verlauf der Po-Kante eine bessere Anhockung des Baby-Beines. Da nur eine Tuchbahn über den Baby-Rücken verläuft, kann sich das Neu­geborene gut ein­runden. Das ist wichtig, da die Wirbel­säule der Neu­geborenen noch eine »Total­kyphose«, das bedeutet eine einfache Rundung nach hinten anstatt der doppelten S-Form der Erwachsenen, aufweist. Wenn ein Neu­geborenes hoch­gehoben wird, nimmt es seine individuelle Anhock-Spreizhaltung ein. Dieser biologische Instinkt des Traglings zeigt uns jene Haltung, welche die Reifung der klein­kindlichen Hüftgelenke unterstützt.

Das Tragen erleichtert dem Baby das Leben ausser­halb des Mutter­leibs

Die Enge des Tuches vermittelt dem Neu­geborenen jene Geborgen­heit, die es während 9 Monaten erlebt hat. Durch das Tragen werden Gleich­gewichts- und Bewegungs­sinn stimuliert. Diese Wahr­nehmungen spielen bei der Gehirn­entwicklung des ungeborenen Kindes eine wichtige Rolle. Evelin Kirkilionis beschreibt in »Bindung stärkt« wie gut sich die »Känguru«-Methode bei Früh­geborenen auswirkt: »Während die Temperatur­kontrolle durch den Körper­kontakt zu den Eltern genauso gut wie in einem Inku­bator geregelt ist, bewirkt der intensive Kontakt sogar eine bessere Sauerstoff­konzen­tration im Blut der Kleinen, eine regel­mässigere Atmung, seltenere Apnoe­zustände. Auch der Herz­schlag ist regel­mässiger und Brady­cardien seltener (Verminderung der Herz­frequenz). Ausser­dem sind die Kleinen mehr im aufmerk­samen, inaktiven Wach­zustand und schreien weniger. Selbst nach sechs Monaten weinten Känguru-Babys seltener als die anderen Frühchen im Vergleichs­alter.«

Was bei Frühchen einen derart positiven Effekt hat, ist bei termin­gerechten Neu­geborenen wohl auch nicht falsch – zumal das Tragen von Babys zum natür­lichen biologischen Säuglings­programm des Menschen gehört.

Stärkung der elterlichen Gefühle

Der enge Kontakt zum Neu­geborenen stärkt auch die Bindung der Eltern zum Kind und erleichtert das Wahr­nehmen der kind­lichen Signale, so dass die Eltern zuverlässig, prompt und adäquat darauf reagieren. »Eltern sind es, die den Grundstein dafür legen, wie ein Baby seine kleine Welt erlebt und einschätzt, ob es sich darauf verlassen kann, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden und ihm stets Schutz, Zuneigung und Sicherheit zukommen wird.« (Kirkilionis, »Ein Baby will getragen sein«)

Helfer beim Stillen

Der Ring-Sling lässt sich übrigens auch dazu einsetzen, das Kind beim Stillen abzustützen. Der Ring-Sling wird etwas gelockert und das Baby mit dem Kopf zur Brust vis-à-vis der Ringe geschoben. Ausserdem unterstützt der enge Kontakt beim Tragen zum Kind die Prolaktin-Ausschüttzng. Das Hormon Prolaktin bewirkt die Milch­bildung und ruft bei Säuge­tieren das Brut­pflege­verhalten aus (der Prolaktin-Pegel steigt übrigens auch bei den Männern gegen Ende der Schwanger­schaft etwas an).

Lassen Sie sich doch auf die Geburt einen Ring-Sling schenken. Das ist gut für Sie und Ihr Baby. Und übrigens, der Ring-Sling nimmt nicht viel Platz weg im Geburtskoffer …

Literatur

Evelin Kirkilionis: »Bindung stärkt«, 2. Auflage 2014, Kösel-Verlag, München

Evelin Kirkilionis: »Ein Baby will getragen sein«, 2013, Kösel-Verlag, München