Der Ring-Sling – viel­seitiger Helfer (Teil 1 der Serie)

Während das normale Trage­tuch recht häufig in Familien­haus­halten mit Babys vorhanden ist, fristet der Ring-Sling ein Aus­sen­seiter-Dasein. Die viel­seitige Alter­native zum Trage­tuch verdient aber mehr Beachtung!

Was ist denn ein Ring-Sling?

Der Ring-Sling besteht aus einem ca. zwei Meter langen Stück Trage­tuchstoff, an dem an einem Ende zwei Metall­ringe angebracht sind. Mit diesen Ringen kann der Ring-Sling wie ein Gürtel ohne Knoten festgezogen werden. Das Kind kann dabei vor dem Bauch, seitlich auf der Hüfte oder sogar auf dem Rücken getragen werden. Beim Tragen auf dem Rücken muss aber beachtet werden, dass das Kind nicht durch zusätzliche Tuch­stränge wie beim »einfachen Ruck­sack« gesichert wird.

Der perfekte Ersatz für das gewöhnliche Tragetuch?

Da der Ring-Sling diagonal über einer Schulter getragen wird, entsteht beim Tragenden eine einseitigen Belastung. Gerade bei schwereren Kindern kann das auf die Dauer unangenehm werden. Aus diesem Grund lassen sich die gewöhnlichen Trage­tücher nicht einfach durch den Ring-Sling ersetzen – der Ring-Sling ist aber in vielen Alltags­situa­tionen eine praktische Alter­native.

Eine neue Art des Tragens?

Das Tragen der kleinen Kindern seitlich auf der Hüfte ist die natürlichste Trage­weise des Menschen schlecht­hin! Die Anhock-Spreiz­haltung, die Neugeborene beim Hoch­heben einnehmen passt genau für das »Sitzen auf Mamas Hüfte«. Da sich Menschen-Babys wegen mangelndem Fell bei der Mutter nicht aus eigener Kraft festhalten können, lässt sich das Kind auf der Seite gut mit einem Arm umschliessen und mit der Hand stützen. (Neugeborene Menschen­affen­babys können sich aus eigener Kraft festhalten, werden aber vom Mutter­tier ebenfalls gestützt – ausser in Flucht­situationen.)

Mit einem Stück Stoff oder Leder, zu einem Beutel geformt und um Mutter und Kind geschlungen, lässt sich das Tragen erleichtern – ausserdem hat die Mutter beide Hände frei. Diese Art des Tragens sieht man bei verschiedenen indigenen Völkern wie zum Beispiel beim steinzeitlich lebenden Volk der Kung San in der Kalahari.

Der Ring-Sling ist zwar eine neuzeitliche Weiterentwicklung des Tragetuches, das Baby mit einem Beutel auf der Hüfte zu tragen geht aber zurück auf den Ursprung des menschlichen Lebens. Neben dem praktischen Nutzen ist das für mich eine reizvolle Sache!

Einsatzmöglichkeiten

  • Für Neugebore ist der Ring-Sling ideal: Der Ring-Sling lässt eine optimale Anhock-Spreizhaltung zu und dank dem geringen Gewicht spielt die einseitige Belastung keine grosse Rolle.
  • Wenn das Baby nur für kurze Zeit getragen werden soll, möchte man nicht viel Zeit verlieren mit dem Binden des Tuches.
  • Wenn das Kind die Welt auf eigenen Füssen entdecken will, aber immer noch schnell ermüdet: Der Ring-Sling nimmt in einer Tasche nicht viel Platz weg und ist rasch einsatzbereit.
  • Er ist praktisch, wenn sich ein Kind bei Koliken mit der Känguru-Bindeweise nur schwer binden lässt aber ebenfalls eine gute Anhockung des Babys ermöglicht.
  • Das kurze Tuch des Ring-Slings kommt bei feuchtem Wetter kaum bis zum Boden. So wird er nicht so schnell schmutzig wie ein längeres Tragetuch.

Literatur

Jörg Hess: »Menschenaffen Mutter und Kind«, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel, 1996