Dein Kind möchte lange und häufig getragen werden? Wie wunderbar! – Aber auch wahnsinnig anstrengend für Rücken und Beckenboden!
Das Tragen auf dem Rücken kann dir helfen, deinen Körper zu schonen. Es lohnt sich auf jeden Fall, es auszuprobieren!

Dem Baby ganz nah und verbunden sein, fühlen wie ruhig man wird, wenn man die ganze Aufmerksamkeit auf das kleine Geschöpf richtet. Das Kindlein vor sich zu tragen, es kennenzulernen, es zu beobachten, wie es langsam einschlummert, zu spüren, wie es den Kopf anschmiegt, an den Haaren zu riechen und sanft mit den Händen über den zarten Körper zu streichen, das zu Erleben ist wohl etwas vom schönsten im Leben der Eltern. Sein schlafendes Kind vor dem Körper zu tragen, heisst, es mit allen Sinnen zu spüren und zu lieben.

Leider weicht die Realität all zu oft von diesem Ideal ab, wenn:

  • dein Baby häufig und ausdauernd schreit
  • dein Rücken vom langen Tragen schmerzt
  • das Dauertragen dem von Schwangerschaft und Geburt belasteten Beckenboden weiter zusetzt
  • du wieder einmal Hausarbeit erledigen möchtest und das Baby vor deinem Körper dir die Sicht nimmt und die Bewegungsfreiheit einschränkt

Babys, die das Getragenwerden deutlich einfordern, können sehr anstrengend werden. Eigentlich ist es ganz natürlich, dass Menschenbabys häufig und lange getragen werden. In unserer westliche Gesellschaft kommt es aber gerne zu Konflikten zwischen den Bedürfnissen des Babys und der Eltern.

Bedürfnis-Analyse

Unserer Familie hilft es bei solchen Konflikten, die Bedürfnisse aller beteiligten Personen getrennt von einander aufzulisten.

Welche Bedürfnisse hat das Baby?

  • Das Getragen werden entspricht der biologischen Natur des Babys. Durch die tragende Person werden Körpertemperatur, Atmung und Kreislauf des Babys reguliert.
  • Es möchte möglichst nahe bei seinen Bezugspersonen sein. Vor Urzeiten war es ein grosses Risiko, das Baby alleine abzulegen. Die Gefühlswelt hat sich seit der Zeit, als Menschen als Jäger und Sammler lebten, kaum verändert!
  • Das Tragen regt sämtliche Sinne des Babys an und treibt seine körperliche und geistige Entwicklung voran.
  • Wenn das Baby vorne oder seitlich getragen wird, kann es das Gesicht des Tragenden sehen. Das erleichtert die Kommunikation. So kann sich das Kind bei Unsicherheit den Gemütszustand der Eltern in deren Gesicht ablesen und sich so beruhigen.
  • Wenn es hinten getragen wird, hat es dagegen eine gute Übersicht und kann besser nach vorne schauen.

Und die Mutter?

  • Sie möchte dem Baby nahe sein, es anschauen und in Händen halten – aber nicht 24 Stunden am Tag. Sie möchte zwischendurch für sich sein, sich vom Baby auch abgrenzen.
  • Im Wochenbett sollte sie den Körper, insbesondere der von der Schwangerschaft stark beanspruchte Beckenboden, möglichst schonen und deshalb das Tragen dem nahen Umfeld überlassen oder eine möglichst wenig belastende Trageweise wählen.
  • Die Hände vor dem Körper ohne Einschränkung einsetzen können.
  • Das Kind vor dem Bauch kann in unwegsamem Gelände wegen der Sichtbehinderung zu gefährlichem Stolpern führen!

Es gilt nun eine Lösung zu finden, die sowohl den Bedürfnissen des Babys wie auch der Mutter möglichst entspricht. Es können nicht alle Bedürfnisse unter einen Hut gebracht werden. Sowohl die Bedürfnisse des Babys wie auch die der Mutter sind gerechtfertigt! Auch die Bedürfnisse der Eltern sollen berücksichtigt werden, denn nur so können sie ihrem anspruchsvollen Programm als Eltern gerecht werden.

Weltweit erprobt

In vielen Kulturen rund um den Globus werden Babys ganz selbstverständlich von ihren Müttern auf dem Rücken getragen. Auf diese Weise kann sich die Mutter gut bewegen, hat die Hände frei und das Gewicht des Babys macht sich weniger bemerkbar. So wie Wanderer und Bergsteiger schwere Lasten nahe am Körper auf Schulterhöhe tragen, verringert das Rückentragen auch bei Babys die körperlichen Anstrengungen.

Das Tragen auf dem Rücken hilft dir:

  • deinen Beckenboden weniger zu Belasten.
  • auch schwerere Kinder zu tragen. Vor allem wenn man sie hoch auf dem Rücken positioniert hängt es weniger an den Schultersträngen des Tuches oder der Tragehilfe.
  • auch einmal abzuschalten, denn du hast das Baby nicht immer vor Augen. Vielleicht ist es auch für dich entlastend, wenn das Baby dir nicht ins Gesicht schreit, dich kneift oder ständig die Brust verlangt.
  • sicherer durch unwegsames Gelände zu wandern, da du besser vor die eigenen Füsse sehen kannst!
  • das Bedürfnis des Babys nach Nähe abzudecken und ihm zu ermöglichen, auf Augenhöhe an deinem Alltag dabei zu sein.

So können die Bedürfnisse vom Baby nach Nähe und Getragen werden mit jenen der Mutter nach mehr Freiheit und Bequemlichkeit befriedigt werden.

Und die Nachteile des Rückentragens?

  • Das Tragen auf dem Rücken ist keine Hexerei! Du musst dich aber vielleicht zu erst etwas überwinden, dein Baby auf den Rücken zu schieben. Es dauert etwas, bis du deinen Fähigkeiten vertraust, das Kind auch auf dem Rücken sicher zu kontrollieren.
  • Du kannst das Kind nur aus den Augenwinkeln beobachten. Du lernst aber schnell, die Lage des Babys spiegelnden Schaufenstern zu überwachen oder die Kamera des Smartphones dafür zu benützen.

Wie kannst du auf dem Rücken tragen?

Bindeweise »Einfacher Rucksack« mit Tragetuch

Das ist die einfachste Bindeweise, um mit dem Tuch auf dem Rücken zu tragen. Das Baby sitzt in einem Tuchbeutel und wird durch kreuzende Tuchstränge zwischen den Beinen gesichert. So kannst du das Baby in einer optimalen Anhockspreizhaltung tragen. Wenn du darauf achtest, dass der Kopf deines Babys gut gestützt wird, kann das Baby bereits kurz nach der Geburt auf dem Rücken getragen werden.

Bindeweise »Double Hammock« mit Tragetuch

Der »Double Hammock« ist eine Trageweise, die bei Kindern ab Sitzalter zur Anwendung kommt. Bei dieser Bindeweise verteilt sich das Gewicht besonders gut auf den Tragenden und vermindert so Druckstellen auf den Schultern. Das kann gerade bei schwereren Kindern von Vorteil sein.
Durch die beiden Tuchbahnen, die über den Rücken des Babys verlaufen, kann sich dessen Rücken weniger einrunden. Deshalb wird der »Double Hammock« erst ab Sitzalter empfohlen.

Tragehilfen

Es gibt heute eine Vielzahl empfehlenswerter Tragehilfen, mit denen Babys bereits ab Geburt ohne Bedenken getragen werden können! Wenn du dich mit dem Tragetuch nicht so recht anfreunden kannst, findest du sicher eine passende Tragehilfe, um das Baby vor dem Körper und auf dem Rücken zu tragen.
Wir empfehlen dir, die Tragehilfe vor dem Kauf ausgiebig zu testen, damit das Kind gut gestützt wird und deinem Kind und dir bequem ist.
Wir haben ein breites Sortiment an guten Tragehilfen und helfen dir gerne weiter.

Du möchtest auch erfahren, wie gut das Tragen auf dem Rücken für dich und dein Baby ist? In einer Trageberatung zeigen wir dir, wie du dein Baby problemlos auf dem Rücken tragen kannst.