Familiengerechte Beikosteinführung: Beim Baby-led weaning soll das Kind selbständig das Essen erkunden.

Was ist Baby-led weaning? (Teil 1 der Serie)

Ihnen sagt »Baby-led weaning« noch nichts? Das ist eine Methode der Beikosteinführung, bei der man ganz auf Breinahrung verzichtet – und es funktioniert erstaunlicherweise ganz problemlos …

Fertig-Babynahrung kam für mich nie in Frage: Die ist mit Konser­vierungs­stoffen versetzt, verursacht Berge von Altglas und ist teuer. Deshalb war mir bereits während der Schwanger­schaft klar, dass ich sechs Monate stillen und dann den Brei selber aus frischem Gemüse, Früchten und Getreide zubereiten wollte.
Mein Mann ist bei seinen Online-Streifzügen zufällig auf die Begriffe Finger food und BLW gestossen. Da Ernährung berufsbedingt mein Thema ist, fiel mir der Auftrag zu, mich über diese Art der Baby-Ernährung zu informieren …
In den Internet-Portalen zum Thema Baby-Ernährung habe ich dann herausgefunden, dass BLW die Abkürzung für Baby-led weaning ist und dass dahinter ein von Gill Rapley entwickeltes Beikost-Konzept steht. Diese Methode hat mich sofort überzeugt, so dass ich diese Art der Beikost­einführung auch selber ausprobieren wollte.

Das Prinzip hinter Baby-led weaning

Baby-led weaning bedeutet auf deutsch »Kind-gesteuertes Abstillen« und beinhaltet folgende Elemente:

  • Das Baby sitzt am Familientisch und bekommt das Essen mit den anderen Familien­mitgliedern.
  • Das Essen wird nicht püriert, sondern in handlicher Form gar gekocht.
  • Das Baby wird nicht mit dem Löffel gefüttert! Man reicht ihm zum Beispiel weich gekochtes Gemüse als Finger food – was damit angestellt wird, überlässt man dem Baby.
  • Das Baby entscheidet von Anfang an selber, wie viel und von was es essen will.
  • Das Kind darf selbständig das Essen in die Hände nehmen, die Konsistenzen kennen­lernen, es betrachten und mit dem Mund erkunden. Zu Beginn wird es nicht viel essen – es geht mehr um das »Be-greifen« und »Be-mundeln« der Nahrungs­mittel.
  • Das Baby erhält weiterhin Mutter- bzw. Säuglingsmilch und entscheidet selber, wann es diese Menge reduzieren will.
  • In der ersten Phase wird das Kind vor dem Essen gestillt, damit es nicht hungrig (nach Milch) am Tisch sitzt, während es noch nicht weiss, dass der Hunger auch mit festen Nahrungs­mitteln gestillt werden kann.

Vielleicht denken Sie, dass das doch gar nicht so neu ist. Bei manchen Familien hat sich diese Form der Baby-Ernährung beim zweiten oder dritten Kind von selbst ergeben, da man keine Zeit hatte, für jedes Kind ein eigenes Menü zu kochen.

Wann beginnt man mit Baby-led weaning?

Es wird empfohlen, dass ein Baby erst ab sechs Monaten Beikost bekommen sollte, weil es vorher feste Nahrung nur schwer verdauen kann. Ausser­dem sollte auch die Muskulatur des Babys soweit entwickelt sein, dass es in einem Kinder­sitz selbstständig sitzen kann, ohne in sich zusammenzusinken.

Bei welchen Lebensmitteln ist Vorsicht geboten?

  • Nüsse und Fische mit Gräten ganz vermeiden (Erstickungs­gefahr)
  • Salz, bzw. salzige Lebens­mittel und Fertig­produkte meiden
  • Zucker­gehalt reduzieren
  • Zusatzstoffe (Farbstoffe, Konservierungs­mittel, Süssstoffe etc.) nach Möglich­keit vermeiden
  • Poulet nur gut gegart servieren
  • roher Honig bis einjährig vermeiden (Botulismus)
  • rohe Kleie meiden
  • Koffeinhaltige Lebensmittel vermeiden
  • gesüsste und kohlensäurehaltige Getränke vermeiden
  • Kuhmilch nicht als Getränk geben

Quellen

  • Gill Rapley & Tracey Murkett: »Baby-led Weaning – Das Grundlagenbuch«, 2013, Kösel-Verlag, München